KARRIERE

Wie viel Chef:in muss und wie viel Freund:in darf ich sein?

Kolumne: First-Time Leader

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von Katrin Grunwald

17. Juni 2021

Wie kommuniziere ich mit meinem Team am besten? Oft geht es für First-Time Leader darum, in der neuen Aufgabe einen für sie stimmigen Kommunikationsstil zu finden. Sie möchten als nahbar wahrgenommen werden und wissen gleichzeitig, dass mit der Rolle auch öfters eine klare Kommunikation von ihrer Seite an das Team wichtig ist. Was tun? Dieser Artikel zeigt dir Tipps, bei denen es nicht um die Frage geht, ob Kommunikation eher als Chef:in oder eher als Buddy passt, sondern wann!


1.  Selbstreflektion

Wie immer geht’s los mit ein paar Fragen zum Selbst-Coaching:

  • Was heißen die zwei Kommunikationsstile „Chef:in“ und „Buddy“ für dich ganz persönlich?

  • In welchem Stil fällt es dir leichter zu kommunizieren?

  • Was hält dich davon ab, dich im anderen Kommunikationsstil wohlzufühlen?

  • In welchen Situationen hast du die Tendenz, auf die eine oder andere Art zu kommunizieren?

  • Welcher Stil passt eher zu den Bedarfen deines Teams?


2.  Nicht ob, sondern wann

Wann macht es nachhaltig Sinn, den einen oder anderen Kommunikationsstil und einhergehenden Mindset anzuwenden? Grundsätzlich ist es als Führungskraft wichtig, dass du weißt, wann dein Team einen klaren Rahmen (Kommunikation mit dem Chef:innen Hut) braucht und wann ist es auch wichtig, dass du als Führungskraft deine menschliche Seite zeigst (Kommunikation mit dem Buddy Hut).


3.  Kommunikation mit dem Chef:innen Hut

Wann immer es darum geht, eine bestimmte Richtung aufzuzeigen oder einen klaren Rahmen für Aufgaben zu geben, macht es Sinn, dass du mit dem Chef:innen Hut kommunizierst. Und nein, du wirst nicht automatisch diktatorisch wahrgenommen! Je nach Mitarbeiter:in gibt es vielen sogar Klarheit, wenn sie wissen, welche eindeutige Richtung von dir/vom Unternehmen angestrebt wird!


Beispiele hierfür könnten Teammeetings sein. Wenn eine Initiative von oben in der Organisation kommt, kannst du mit deinem Team besprechen: „X und Y sind die Rahmenbedingungen, das ist vorgegeben. Innerhalb dieses Rahmens haben wir allerdings viel Handlungsspielraum als Team. Welche Ideen habt ihr, wie wir das angehen können?“


Ein weiterer Bereich für die Kommunikation mit den Chef:innen Hut ist das Thema Feedback geben, wenn z.B. Ziele von einem/r Mitarbeiter:in nicht erreicht wurden. Tipps, wie du respektvoll und trotzdem klar kommunizieren kannst, gibt es hier in der First-Time Leader Kolumne vom Mai.


Auch beim Thema „Empowerment“ kannst du den Chef:innen Hut in der Kommunikation aufsetzen. Hier geht es um Gespräche z.B. darüber, was dein Team von dir braucht, um die beste Leistung bringen zu können: „Ich unterstütze euch gerne, damit ihr den bestmöglichen Output generieren könnt. Was kann ich für euch tun, um euch den Rücken freizuhalten?“ Wichtig hierbei ist, sich für möglicherweise lange Antworten genügend Zeit zum Zuhören zu nehmen. Also lieber diese Frage am Anfang des Team Meetings stellen als 5 Minuten vor Schluss!

Und ein letztes Beispiel ist das Thema Konflikte. Solltest du in die Moderation von Konflikten eingebunden sein, ist es umso wichtiger, dass du in einer allparteilichen Rolle bleibst, auch wenn du mit einer Person im Konflikt vielleicht einen besseren persönlichen Kontakt hast.


4.  Kommunikation mit dem Buddy Hut

Wann immer es darum geht, deine menschliche Seite zu zeigen, setze den Buddy Hut in der Kommunikation auf.

Das kann z.B. in Gesprächen sein, wo du mit Empathie und Verständnis für die persönliche Situation des/der Mitarbeiter:in Vertrauen aufbauen kannst.


Und natürlich auch in persönlichen Unterhaltungen beim Kaffeetrinken, beim gemeinsamen Mittagessen oder auch bei After-Work Drinks mit dem Team. Je mehr du von dir als Mensch teilst (was hast du am Wochenende gemacht, Urlaub, lustige Erlebnisse zwischendurch, aber auch persönlich schwierige Situationen), desto nahbarer wird dich dein Team empfinden. Und ja, auch Humor darf gerne am Start sein!


5.  Vom einen Hut zum anderen

Mache deinem Team klar, wann du in welchem Kommunikationsstil gerade bist. Manchmal bist du vielleicht mit deinem Buddy Hut am (virtuellen) Kaffeetresen und direkt im Anschluss hast du im Team Meeting den Chef:innen Hut auf. Verbalisiere das ruhig im Sinne von „So, nun setze ich mal wieder den Teamleiter:in Hut auf und ich würde gerne mit euch heute besprechen, wie wir mit der Anfrage von Abteilung X umgehen“. Das explizite Ansprechen deiner unterschiedlichen Kommunikationshüte gibt deinem Team Klarheit und bringt oft etwas Spielerisches auch bei schwierigen Themen.



Als First-Time Leader ist es gut, beide Kommunikationsstile im eigenen Repertoire zu haben. Es geht darum, weder davor zurückzuschrecken, Persönliches zu teilen aus Angst, sich verletzlich zu zeigen, noch es zu vermeiden, in der ein oder anderen Situation verbal klar die Führung zu übernehmen, aus Sorge als zu forsch gesehen zu werden. Eine für dich und dein Team stimmige Mischung macht‘s!

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Katrin Grunwald ist Teamentwicklerin und Coach für First-Time Leader. Als Gründerin der Beratung „The Globe Team“ in München begleitet sie angehende Führungskräfte bei einem erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle und Teams weltweit dabei, besser zusammenzuarbeiten.

Sie teilt in ihrer Kolumne konkrete Tipps und Tricks aus ihrer Erfahrung in europäischen Konzernen, Start-Ups, Regierungsorganisationen und NGOs. Für alle, die auf dem Sprung in die erste Führungsrolle und darüber hinaus sind

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