KARRIERE

Wie gebe ich richtig Feedback?

Kolumne: First-Time Leader

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von Katrin Grunwald

12. Mai 2021

Das Geben von Feedback ist für First-Time Leader oft eine der größten Herausforderungen. In Coaching Sessions berichten sie, dass es ihnen schwerfällt, ihren Mitarbeitenden vor allem negatives Feedback zu geben, da sie sich im Team „eigentlich alle gut verstehen und sie sie auch nicht demotivieren möchten“. Wie es möglich ist, sowohl Klarheit als auch Empathie dafür zu nutzen, dass du dich als First-Time Leader mit dem Feedback-Geben wie auch Feedback-Annehmen wohler fühlst, zeigen dir diese 5 Tipps:


Vorbereitung auf das Feedback

Sowohl bei positivem als auch negativem Feedback ist es eine gute Idee, dir vorher für eine Vorbereitung kurz Zeit zu nehmen. Was ist das Ziel deines Feedbacks? Möchtest du, dass der/die Mitarbeiter:in ein bestimmtes Verhalten oder Mindset ändert oder vielleicht genauso weiter beibehält? Wann ist ein guter Zeitpunkt, ein ruhiges Gespräch mit der Person zu führen? Der Zeitpunkt sollte noch zeitnah zu jener Situation sein, zu der du Feedback geben möchtest und gleichzeitig sollte er gut für beide Seiten passen. Nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die (Un-)Regelmäßigkeit ist wichtig zu beachten. Eine gute Führungskraft sollte mit seinen/ihren Mitarbeitenden besprechen, wie oft bzw. zu welchen Situationen sie Feedback haben möchten. Dies kannst du in den 1:1 Kennenlerngesprächen erfragen!


Care & Curiosity Mindset

Zur Vorbereitung gehört auch die Frage: Mit welchem Mindset möchte ich in das Feedbackgespräch gehen? Claire Lew von Know Your Team empfiehlt, mit einem Mindset von „Care & Curiosity“ in Feedbackgespräche zu gehen.  Selbst wenn dich das Verhalten deines/r Mitarbeiter:in innerlich auf die Palme gebracht hat, hilft es, wenn du dich vor dem Feedbackgespräch in einen „Fürsorge & Neugier Mindset“ bringst, da dies die Chancen verringert, dass die andere Person defensiv reagiert.


Ein Feedback Fahrplan

Statt des sehr vorhersehbaren und manchmal als unaufrichtig empfundenen berühmten „Feedback Sandwichs“ finde ich, dass mit einem Care & Curiosity Mindset auch direkt das Thema angesprochen werden kann, um das es geht. Angelehnt an die 3 W Methode und die der Gewaltfreie Kommunikation, hilft dir folgender Fahrplan, dich gut vorbereitet zu fühlen und mit Klarheit und Empathie dein Gegenüber zu erreichen:

  • Intention: Starte mit deiner Intention, z.B. Ich möchte eine Beobachtung mit dir besprechen, da es mir wichtig ist, dass wir im Team so gut wie möglich zusammenarbeiten.

  • Wahrnehmung: Welches spezifische Verhalten hast du wahrgenommen? Z.B. Als wir gestern gesprochen haben, hast du das Thema X nicht angesprochen. Von dem/der Kund:in habe ich heute erfahren, dass dir da gestern schon Informationen zu ihren/seinen Problemen vorlagen.

  • Wirkung: Was hat das Verhalten bei dir oder im Team an Gefühlen, Gedanken oder Verhalten ausgelöst? Z.B. Das hat dazu geführt, dass ich den Kunden heute nicht die richtige Rückmeldung geben konnte und ich mich unsicher fühle, ob ich deinen Infos trauen kann.

  • Bedürfnis: Warum ist es dir persönlich wichtig? Wenn du dein dahintersteckendes Bedürfnis teilst, hilfst du der Person, noch besser zu verstehen, warum das Verhalten bei dir diese Wirkung ausgelöst hat. Z.B. Mir geht es hierbei um Transparenz untereinander im Team, da ich denke, dass wir alle davon profitieren, wenn wir Wissen teilen.

  • Wunsch: Schau in die Zukunft und gebe einen Vorschlag oder Wunsch mit auf den Weg für ein verändertes Verhalten. Da Feedbackgespräche auch eine Unterhaltung in beide Richtungen sein sollen, kannst du auch Fragen stellen, um das Verhalten der Person besser zu verstehen. Z.B. Wie kam es dazu, dass du diese Infos nicht weitergegeben hast? Extra-Tipp: Frage statt „Warum“ lieber „Wie kam es dazu?“ – das führt zu weniger Abwehrhaltung beim Gegenüber.

  • Next steps: Beschließt gemeinsam konkrete Aktionen für zukünftige Situationen.  Ihr könnt das Gespräch auch erstmal sacken lassen und dies am nächsten Tag tun.

Positives Feedback

Derselbe Feedback Fahrplan kann auch für positives Feedback angewandt werden. Um deinen Teammitgliedern das Lernen zu erleichtern, ergibt es Sinn, dass du auch hier ganz konkretes Feedback gibst statt eines allgemeinen „Gut gemacht, weiter so!“.


Feedback aus dem Team an dich

Da Feedback idealerweise in alle Richtungen gegeben wird, lade das Team ein, dir Feedback zu deinem Verhalten als Führungskraft in 1:1s oder einem Team- Workshop zu geben. Zur Vorbereitung kannst du dein Team bitten, sich vorher ganz konkrete Beispiele zu überlegen und diese dann entlang des Feedback Fahrplans mit dir zu besprechen. Deine Aufgabe dabei? Zuhören! Mache dir Notizen bei Rückfragen und sei offen für einen Austausch.


Je normaler es im Team wird, sich auf diese wertschätzende Art und Weise Feedback gegenseitig zu geben, desto schneller können Situationen geklärt werden und ein Teamgefühl der Offenheit und des gemeinsamen Lernens kreiert werden!


Hast du als First-Time Leader Fragen an Katrin? Schreib sie uns an online-redaktion@strive-magazine.de und die am häufigsten gestellten Fragen werden in den nächsten Kolumnen beantwortet!

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Katrin Grunwald ist Teamentwicklerin und Coach für First-Time Leader. Als Gründerin der Beratung The Globe Team in München begleitet sie angehende Führungskräfte bei einem erfolgreichen Start in die erste Führungsrolle und Teams weltweit dabei, besser zusammenzuarbeiten.


Sie teilt in ihrer Kolumne konkrete Tipps und Tricks aus ihrer Erfahrung in europäischen Konzernen, Start-Ups, Regierungsorganisationen und NGOs. Für alle, die auf dem Sprung in die erste Führungsrolle und darüber hinaus sind.

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