FINANZEN

Wie investieren Investmentprofis?

Interview mit Angelika Dehmel, Finanzjournalistin und Content Lead beim Neobroker BUX

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von Hannah Andresen

4. Juli 2021

Wie bringt man Menschen das Investieren näher und befähigt vor allem junge Leute, mehr aus ihrem Geld zu machen? Das weiß Angelika Dehmel: Einst verantwortete sie als Journalistin der Financial Times die Planung und Produktion der Finanz-, Bank- und Investitionsseiten und veröffentlichte auch eigene Artikel. Heute ist Angelika Content Lead bei BUX, einem Neobroker, der gerade eine Finanzierungsrunde von 80 Millionen Dollar abgeschlossen hat. Dort verfolgt sie die Mission weiter, die sie schon seit vielen Jahren begleitet. Wir sprachen mit ihr über die Anfänge beim Investieren, worauf man achten sollte und was in ihrem Portfolio zu finden ist.


Frau Dehmel, Sie sind Content Lead bei BUX, einem internationalen Neobroker. Was genau ist ein Neobroker?

Neobroker wie Robinhood in den USA oder BUX in Europa haben die Börsen für mehr Anleger:innen geöffnet, indem sie Investieren einfacher, günstiger und vollständig digital anbieten. Was Online-Banken im Bankenbereich gemacht haben, das haben Neobroker für den Bereich Brokerage getan. Wenn Privatanleger:innen früher ein Portfolio anlegen und Aktien kaufen wollten, blieb ihnen nur der Weg über traditionelle Online-Broker, mit teilweise hohen Gebühren. Mit Neobrokern geht das einfach und günstig in einer App.


Zuvor waren Sie als Wirtschaftsjournalistin, u.A. bei der Financial Times tätig. Was hat Sie zum Wechsel von der Presse zur Unternehmensseite bewogen?

Zum einen der Wechsel der Perspektive und zum anderen die Idee hinter BUX. Als Journalistin habe ich über Unternehmen geschrieben und bei BUX kann ich selbst erleben, wie ein Start-up zu einem Scale-up wird und nun die nächsten Wachstumsschritte geht. Und die Idee hinter BUX, nämlich das Investieren für alle zu ermöglichen, fand ich extrem interessant. Denn gerade in Deutschland kann Investieren noch sehr umständlich sein.


Wie macht man etwas so Komplexes wie den Börsenmarkt verständlich für die breite Masse?

Idealerweise genauso, wie Journalisten:innen eine Geschichte aufschreiben. Man sollte nie automatisch Wissen voraussetzen, sondern immer genau erklären, um was es geht. Auf unseren Blog erklären wir zum Beispiel, wie man ein Portfolio aufbaut, aber wir tauchen auch für diejenigen tiefer in die Materie ein, die sich schon etwas besser auskennen oder noch mehr lernen wollen.


Wieso ist es heutzutage für Anbieter von Finanzdienstleistungen wie BUX wichtig, selbst auch zum Content Publisher zu werden?

Zahlreiche User:innen haben kaum Vorkenntnisse zum Thema Börse und Finanzen. Bevor sie anfangen, zu investieren, wollen wir sichergehen, dass sie wissen, was sie tun. Uns ist es extrem wichtig, dass die User:innen über die Chancen aber auch die Risiken der Börse informiert sind und wissen, wie sie sowohl ihre Rendite maximieren aber auch die Risiken reduzieren können. Deswegen ist Bildung ein wesentlicher Teil von BUX.


Zu welchen Themen spüren Sie die stärkste Nachfrage?

Viele Nutzer:innen interessieren sich für Tech-Unternehmen wie Tesla und Apple. Außerdem sind ETFs, Exchange Traded Funds, ein Thema, denn durch die automatische Streuung kann man Risiko besser streuen als mit Einzelaktien. Auch wichtig, gerade für Millennials: Grüne Investments, mit denen man nachhaltig investieren kann. Dazu eignen sich zum Beispiel ESG Investments, wie zum Beispiel ETFs, die hohe Standards im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung einhalten.


Ab welchem Alter sollte man anfangen, sich mit Finanzanlagen beschäftigen?

Idealerweise schon in der Schule, leider wird die allgemeine Finanzbildung da aber vernachlässigt. Wenn es darum geht, wann man anfangen sollte, wirklich zu investieren, dann gilt auch hier: so früh wie möglich. Dank Dividenden und Zinseszins kann man schon mit regelmäßigen geringen Beträgen ein Vermögen aufbauen.


Wie (und wann) haben Sie damit angefangen?

So richtig angefangen, mich mit dem Thema Börse und Finanzen aktiv zu beschäftigen, habe ich ziemlich spät, nämlich erst, als ich mein Redaktionsvolontariat bei der Financial Times Deutschland angefangen hatte. Erst da habe ich gelernt, wie spannend die Finanzmärkte sein können – und auch, dass sich wirklich jeder in das Thema einarbeiten kann. Zum Hintergrund, ich habe Geisteswissenschaften studiert, hatte davor also wenig mit Finanzen zu tun.


Wie sieht Ihr eigener Finanzmix aus?

Ich investiere zum Beispiel in ETFs, börsennotierte Fonds. Aktieninvestments aus verschiedenen Sektoren gehören ebenfalls dazu, außerdem sollte man immer eine Bargeldreserve für Notfälle haben. Außerdem bin ich noch im Bereich Immobilien und Anleihen unterwegs. Und ich habe ein kleines Budget fürs “Zocken”, mit dem ich in Aktien investiere, die etwas riskanter sind.


Wie viel Geld meines Vermögens sollte ich investieren?

Das kann man pauschal nicht sagen, denn jeder hat andere Investment-Ziele. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob ich kurz- oder langfristig investieren will. Mein Rat ist aber, bevor man überhaupt investiert, sollte man seine eigenen Finanzen in Ordnung bringen. Schulden abbauen, einen Notgroschen anlegen und dann einen genauen Plan machen, was die Ziele sind. Davon hängt es dann ab, wie viel ich investieren kann.


Wer oder was ist der schlimmste Gegner beim Investieren?

Blind sogenannten Geheimtipps zu vertrauen, ohne sich selbst über das Unternehmen oder das Produkt zu informieren. Man kauft sich auch kein neues Smartphone, ohne die Vor- und Nachteile zu lesen, dieselbe Sorgfalt sollte beim Thema Investments gelten.


Welche Aktien sind Ihre „All Time Favorites“?

Ganz ehrlich, die habe ich nicht, ganz einfach deswegen, weil ich mein Portfolio regelmäßig überprüfe und umschichte. Dann fliegt da auch mal ein Liebling raus, wenn er nicht mehr zur Strategie passt. Im Allgemeinen bin ich aber ein Fan von Dividendenwerten.


Gibt es sowas wie „sichere Aktien“?

100 % Sicherheit gibt es an der Börse nicht. Die einzige Möglichkeit, um sein Risiko zu reduzieren ist, seine Investments zu streuen: in verschiedenen Sektoren, Regionen, Anlageklassen.


Was halten Sie vom Investieren in Kryptowährungen?

Kryptos sind extrem spannend, aber nichts für Anfänger und nichts für schwache Nerven, da sie sehr volatil sind. Man muss nur mal sehen, wie stark ein einziger Tweet von Tesla-Chef Elon Musk Kryptos beeinflussen können. Hier gilt noch einmal doppelt, dass man sich gut mit dem Thema auskennen sollte, bevor man darin investiert.


Haben Sie eine Börsenweisheit, die Ihnen immer geholfen hat?

Investiere in das, was du kennst. Ehe ich zum Beispiel eine Aktie kaufe, informiere ich mich über das Unternehmen, über den Sektor, die Chancen und Risiken, vergangene Performance, auch wenn natürlich die vergangene Performance nichts über künftige Renditen aussagt. Ich investiere auch nicht in Geheimtipps von Bekannten, ohne das vorher genau zu überprüfen.

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Hannah Andresen ist Art Director und Head of Online Content bei STRIVE. Für STRIVE Online interviewt sie Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und spannende Rolemodels. Die Hamburgerin arbeitete zuvor für die Unternehmenskommunikation einer der größten deutschen Werbeagenturen.

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