FINANZEN

In 5 Schritten dem Negativzins entkommen

Was genau hinter Negativzinsen steckt, wer davon profitiert und wie Sie die Kosten minimieren

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Die Bankenszene in Frankfurt

von Amelie Apel

14. Juli 2021

Geld auf dem Konto für sich arbeiten zu lassen und selbst im Liegestuhl die Seele baumeln zu lassen, funktioniert schon lange nicht mehr. Denn Geld wird nicht mehr entlohnt für seine Arbeit, die es bei der Bank leistet. Der deutsche Habenzins sinkt seit Jahren. Auf online Vergleichsportalen ist einzusehen, dass keine Bank mehr Zinsen für Beträge auf Girokonten auszahlt, aber fast alle ab einer bestimmten Geldsumme Negativzinsen von minus 0,5 % vom Ersparten abziehen.


Doch was sind Negativzinsen genau?

Sie sind das Gegenteil der Habenzinsen. Als Kund:in zahlen Sie diese Strafzinsen dafür, dass Sie Geld auf Ihrem Konto lagern – paradox, denn die Bank nutzt Ihr Geld, um zu wirtschaften. Bei einigen Banken beginnen die Strafzinsen bei einem Kontostand von 50.000 Euro, bei anderen erst ab 100.000 oder 250.000 Euro. Mit diesen Geldstrafen wollen die Banken verhindern, dass große Geldbeträge auf den Konten gelagert werden. Denn diese hohen Summen müssen sie selbst bei der Europäischen Zentralbank einlagern und dafür eigene Negativzinsen zahlen. Seit einigen Jahren geben die Banken diese Verluste an die Verbraucher:innen weiter. So entstanden die Negativzinsen für Privatkonten.


Wer profitiert von Negativzinsen?

Die Banken gleichen damit ihre Verluste aus, von einem Profitieren kann man bei ihnen also kaum sprechen. Negativzinsen kommen denen zugute, die Schulden machen – vor allem den Staaten. Durch die niedrige Zinslast können sie sich billig Geld leihen und Zinsen auf Staatsanleihen sind momentan kaum noch existent.


Wie hoch sind die Negativzinsen und wer muss sie zahlen?

Wie hoch die Strafzinsen sind und ab welchen Beträgen sie gezahlt werden müssen, hängt von der jeweiligen Bank ab und kann in den Preisverzeichnissen nachvollzogen werden. Bei der ING wird beispielsweise ein Negativzins von minus 0,5 % jährlich für Girokonten und Tagesgeldkonten berechnet – allerdings nur für Konten, die nach November 2020 eröffnet wurden. Es kann sich also durchaus lohnen seiner Bank treu zu bleiben. Der Freibetrag liegt bei 100.000 Euro. Alles, was darüber hinaus geht, wird von der Bank negativ verzinst. Ab November 2021 soll der Freibetrag nur noch bei 50.000 Euro liegen. Die meisten Banken und Sparkassen haben mittlerweile ähnliche Konditionen. Lediglich die Postbank hat einen geringeren Freibetrag von 25.000 Euro und die nachhaltige Tomorrow Bank benennt gar keine Negativzinsen in ihren Geschäftsbedingungen. Eine Übersicht, über alle Banken und ihre Regelungen zum Negativzins finden Sie bspw. hier.


Es gibt ein paar Wege, mit denen Sie den Strafzinsen entgehen können. Diese sind jedoch nicht ohne Kursrisiko zu betrachten und sollten daher gut durchdacht und gegebenenfalls kombiniert werden. Im Folgenden haben wir die wichtigsten fünf Tipps, Negativzinsen zu entgehen, für Sie gesammelt.


1. Tipp: Treten Sie in Verhandlungen

Für jede Bank sind Sie als Kund:in mehr wert als Ihr Negativzins. Verhandeln sie also mit Ihrer Bank. Aus Kulanzgründen kann diese eine Ausnahme - höhere Freibeträge oder andere Zinssätze - anbieten und in vielen Fällen ist genau dies gelebte Praxis. Verlieren können Sie dabei nicht, gegebenenfalls nur ihre Verluste verringern.


2. Tipp: Verteilen Sie Ihr Geld

Verschiedene Konten bei verschiedenen Banken haben den Vorteil, dass sie möglicherweise unter den Negativzins-Grenzen bleiben. Zusätzlich profitieren sie von den vielzähligen Einlagensicherungen. Diese sind gesetzlich festgelegt und greifen in dem Fall, dass Ihre Bank schließt oder bankrott geht. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, kurz EdB, entschädigt pro Sparer und Bank 100.000 Euro. Desto mehr Konten Sie bei verschiedenen Banken haben, desto häufiger sichert die EdB diese Summe ab. Vielleicht eine Idee, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.


3. Tipp: Diversifizieren Sie

Wie eingehend besprochen lösen hohe Geldsummen auf dem Konto für Sie und Ihre Bank Negativzinsen aus. Um diese zu vermeiden, können Sie Ihr Geld in anderer Form anlegen, zum Beispiel in Aktien. Damit Sie eine möglichst geringe Volatilität (Kursschwankungen) im Portfolio haben, könnten Sie z.B. auf ETFs, Fonds oder weniger volatile Aktien setzen.

Ein geringeres Risiko bieten auch Edelmetalle. Gold ist beispielsweise eine stabile Währung mit weniger Schwankungen und damit krisensicher. Dort sollten sie allerdings nur Geld anlegen, dass sie ad hoc nicht benötigen und einlagern können.


4. Tipp: Investieren Sie in Immobilien

Gerade in inflationsgefährdeten Zeiten wie diesen bieten Immobilien eine sichere Anlagemöglichkeit. Ein Kauf sollte aber gut überlegt und eingehend recherchiert sein. In Krisenzeiten mit geringer Schuldenlast steigen die Immobilienpreise rasant. Informieren Sie sich gut über die Preise umliegender Immobilien. Außerdem kann die Verwaltung des Eigentums viel Zeit in Anspruch nehmen, was nicht zu unterschätzen ist.


5. Tipp: Lassen Sie Ihr Geld auswandern

In anderen Ländern gelten andere Zinssätze. Es kann also helfen, sich über die Ländergrenzen hinaus über Negativzinsen zu informieren und möglicherweise auf ausländische Banken auszuweichen. Auch hier gilt, dass vorher ausreichend Recherche betrieben werden sollte. Nutzen Sie daher nur etablierte Banken und achten sie auf die Bestimmungen zur Einlagensicherung, um nicht aus Versehen an den deutschen Steuerkassen vorbeizuarbeiten.

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Amelie Apel ist ausgebildete Modejournalistin und lebt in Berlin. Durch Praktika in London und New York City und Hospitanzen bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und dem Der Tagesspiegel konnte sie ihr redaktionelles Interessenfeld ausweiten und schreibt für STRIVE als selbstständige Junior Redakteurin. Nebenbei studiert sie Business Management im Fernstudium in London.

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