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Warum Selbstständige und Unternehmer:innen um Hilfe bitten sollten

Und es wie es funktioniert - in drei Schritten

Warum Selbstständige und Unternehmer:innen um Hilfe bitten sollten

von Tanja Lenke

15. Juni 2021

Vielen Selbstständigen fällt es schwer, andere um Hilfe zu bitten. Egal ob bezahlt oder unbezahlt. Für viele ist das um Hilfe bitten ein Zeichen von Schwäche. Sie denken, dass sie in der Selbstständigkeit alles können und eigenständig lösen müssen. Bei anstehenden Herausforderungen suchen sie daher eher selbst nach einer Lösung, statt nach Unterstützung zu fragen. Auch wenn die Lösung sie viel Zeit und somit auch Geld kostet. Oft haben sie auch Angst, in ihrem sich aufgebauten Expertenstatus verletzt zu werden oder ihre Unabhängigkeit aufzugeben.  Doch um Hilfe zu bitten, ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil.


Die eigene berufliche Weiterentwicklung und Karriere profitieren in großem Maße, wenn wir bereit sind, uns strategisch Hilfe und Unterstützung zu suchen sowie Kooperationen einzugehen. Als erfolgreich Selbstständige:r oder Unternehmer:in muss man nicht alle Unternehmensbereiche selbst abdecken und für jedes Problem selbst eine Lösung finden – man muss bereit sein, sich Unterstützung zu holen und um Hilfe zu bitten. Das bringt das eigene Geschäft viel effizienter und leichter weiter und man läuft nicht Gefahr, sich selbst ein Hamsterrad zu bauen.


Such Dir eine:n Mentor:in

Um Hilfe zu bitten, sollten sich Selbstständige und Unternehmer:innen so früh wie möglich zur gewohnten Praxis machen. Gerade in der Anfangsphase des Unternehmensaufbaus sollte auf Unterstützung nicht verzichtet werden, damit das Business schnell anläuft und Umsätze generiert werden können. Doch lassen sich viele Neu-Gründer:innen nicht helfen, da sie davon überzeugt sind, dass sie die anfallenden Aufgaben noch selbst erledigen können und/oder noch nicht genug Geld verdienen, um in Unterstützung investieren zu können. Das ist jedoch ein Trugschluss und einer der größten Fehler beim Businessaufbau. Tatsächlich ist die frühe Investition in sich selbst und sein Business, zum Beispiel durch die Unterstützung eines Coaches oder Berater:in, unbedingt zu empfehlen. Durch ihr Expert:innenwissen können anfängliche Fehler vermieden werden, was einem direkte Vorsprünge im Business verschafft. Die Investition zahlt sich somit auf lange Sicht um ein Vielfaches aus. Tatsächlich hat oder hatte jeder erfolgreiche Unternehmer selbst einen Coach oder Mentor:in als Unterstützung.


Baue Dir ein Team auf

Neben der Startinvestition in das eigene Business, ist es unbedingt zu empfehlen, so früh wie möglich damit anzufangen, Aufgaben auszulagern und sich ein Team aufzubauen. Auch dann, wenn wir denken, dass wir uns noch keine Unterstützung leisten können. Es klingt paradox, aber der eigentliche Grund, warum wir meinen, uns kein Team leisten zu können, liegt darin, dass wir noch kein Team haben. Denn erst, wenn wir nicht mehr alle anfallenden Aufgaben allein erledigen, kann das Business richtig wachsen.


Viele der täglich anstehenden Aufgaben sind lästig, weil sie oft wiederholt anfallen und nicht zu unserer Kernexpertise gehören. Es sind Aufgaben, die vielen Selbstständigen oft keine Freude bereiten, sie aber denken, diese selbst erledigen zu müssen. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um administrative Aufgaben, wie die Erstellungen von Rechnungen, Recherchearbeit oder das Digitalisieren von Dokumenten. Es können aber auch Aufgaben sein, die mit der Vermarktung des Angebots zu tun haben.


Deswegen sollten Aufgaben dahingehend überprüft werden, ob sie tatsächlich von einem selbst erledigt werden müssen oder ob sie delegiert oder gar automatisiert werden können. Es ist wichtig, dass wir uns auf unsere Kernexpertise konzentrieren und Unterstützung dazu holen, damit unser Business weiter wachsen kann. Erfahrene Expert:innen können Aufgaben in ihrem Kompetenzbereich viel besser und schneller lösen als wir selbst und auch neue Perspektiven schaffen.


Nutze Erfahrungswerte deines Netzwerkes

Ein weiteres zentrales und nicht zu unterschätzendes Thema ist der frühe Aufbau eines Netzwerkes aus Gleichgesinnten. Sich mit Gleichgesinnten zu verbinden, ist beinahe das Fundament einer erfolgreichen Selbstständigkeit und Unternehmensführung. Denn ein Netzwerk fängt einen nicht nur auf und gibt emotionale Unterstützung, sondern liefert Inspirationen und Anreize aus ganz anderen Richtungen und Blickwinkeln. Oft benötigt es nur ein weiteres Paar Augen, um wieder den Fokus in seinem Business zu finden.


Je größer und stärker das Netzwerk ist, auf desto mehr vielfältiges Wissen und Erfahrungswerte kann zurückgegriffen werden. Durch gute Kontakte in seinem Netzwerk kommen wir schnell an exklusive Infos und Tipps, lernen Fehler früher zu vermeiden und können uns Feedback einholen oder werden weiterempfohlen. Von diesem wertvollen Angebot des Erfahrungsaustauschs sollte unbedingt profitiert werden. Wer andere Expert:innen in seinem Netzwerk um Unterstützung und Rat fragt, spart sich viele Stunden des eigenen Erfahrungsaufbaus. Zudem sollte immer bedacht werden, dass wir soziale Wesen sind, die gerne anderen helfen. Indem wir eine andere Person um Hilfe bitten, verdeutlichen wir, dass wir sie als Person und ihre Expertise wertschätzen. Dies baut eine enge Verbindung und ein Gemeinschaftsgefühl auf, was auch auf lange Sicht in Erinnerung bleiben wird. So können Businesskontakte und Kooperationen gestärkt werden, die nicht nur für den Moment helfen, sondern einem auch in der Zukunft jede Menge Türen öffnen können.


Niemand kann alles alleine schaffen und alles sofort wissen. Wir zeigen größte Stärke und Selbstverantwortung, wenn wir andere Menschen strategisch um Hilfe fragen und ihre Expertise nutzen, um schneller ans Ziel zu kommen. Denn warum sollten wir uns das Wissen immer wieder neu aufbauen oder ständig neu nach Lösungen suchen, wenn es doch viel schneller geht, jemanden um Hilfe zu bitten, der diese Erfahrung bereits gemacht und Lösungen parat hat? Hilfe und Unterstützung wirken wie ein Katalysator, der einem zu schnellem Erfolg und Wachstum verhilft. Das sollte natürlich auch immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Frag daher so früh wie möglich nach Unterstützung und konzentrier dich auf deine Kernkompetenz. Mit der Konzentration auf unsere eigenen Stärken geht der Spaß an der Arbeit auch nicht verloren. Und das ist wichtig, denn wenn wir ein Business haben, das uns ermöglicht, unsere beruflichen und persönlichen Ziele und Träume wahr werden zu lassen, dann erfüllt es uns. Und wir können die Unabhängigkeit, die ein eigenes Business mit sich bringt, auch wirklich genießen, statt selbst und ständig zu arbeiten.

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Über die Autorin:

Die Business-Community für Gründerinnen und selbstständige Frauen, she-preneur, wurde im Jahr 2016 von Tanja Lenke gegründet. Die Community bietet Frauen, die mit ihrem Business weiter wachsen wollen, die Möglichkeit, sich miteinander zu vernetzen und zu supporten. Mit ihrer Expertise hilft sie den Frauen, größer zu denken, ihr eigenes Business digital aufzubauen bzw. weiterzuentwickeln und ihre Visionen umzusetzen – ein Business, das einen erfüllt, Sinn stiftet und steigende Umsätze verzeichnet. Im Jahr 2016 hat Tanja Lenke ihre Community gegründet. Aktuell hat she-preneur bereits mehr als 6.000 Mitglieder.

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