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Misst Du noch KPIs oder schon KEIs?

Wenn jede herausragende Leistung ein Team braucht, müssen wir auch den Zustand des Teams anschauen und fördern.

Kolumne: Neues Unternehmertum

Misst Du noch KPIs oder schon KEIs?

Foto: Stefanie Kuhnhen

von Stefanie Kuhnhen

24. März 2021

Ganzheitlichkeit per se ist ja nichts Neues. Dass es Schwarz nicht ohne Weiß, Freude nicht ohne Trauer, Ying nicht ohne Yang gibt – das wissen wir seit vielen Jahrhunderten. Und doch, so scheint es, kommen wir erst jetzt wieder so richtig dahinter, dass wir Ganzheitlichkeit bewusst fördern und fordern sollten.


Im wirtschaftlichen und gesellschaftlich-politischen Leben geht es inzwischen mit guten Schritten voran: Dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch mehr sein müssen, haben wir erkannt und weitere Regulationen im „Green New Deal“ werden dazu führen, dass Unternehmen ganzheitlicher und nachhaltiger agieren. Auch die Frauenquote ist beschlossene Sache und Diversity, Equity und Inclusion – verstanden als wirklich inklusive, die bunte Vielfalt fördernde Kultur – ist auf immer mehr politischen und damit auch in vielen Unternehmensstrategien verankert. Und doch, so scheint es mir, gibt es noch einen blinden Ganzheitlichkeits-Fleck in unseren Unternehmensköpfen, wenn wir zum Thema Individuum vs. Team kommen! Einen Mythos, mit dem wir bewusst aufräumen sollten: Dem des einzelnen Genies.


Irgendwie besteht in unseren Vorstellungen und Held:innengeschichten noch immer der Grundgedanke, dass es dieses geniegleiche Individuum gibt, das man nur finden, fördern und feiern muss, um Herausragendes zu leisten! Dabei wissen wir doch alle: Jede Errungenschaft, jedes brillante Ergebnis, jeder Fortschritt ist die Leistung eines Teams. Selbst wenn herausragende Köpfe in ihren Bereichen wichtiger Bestandteil dieses Teams sind bzw. sein müssen. Warum erschaffen wir also noch immer gerne Held:innen, die „am Ende das Rad nochmal rumgedreht haben“?


Ich bin überzeugt, dass wir im Neuen Unternehmertum auch die Unternehmenskultur dringend neu verstehen und mit dem „Lone-Star-Mythos“ aufräumen müssen. Oder, wie es im Englischen so schön heißt, die „great man theory“ bewusst widerlegen sollten! Es geht dabei natürlich nicht um die Abwertung des Einzelnen – aber auch nicht mehr um dessen Überbewertung. Denn nur dann wird es überhaupt erst wirklich möglich werden, das Team in den Fokus zu rücken.


Ein für mich überfälliger Schritt in diese Richtung ist das Beenden der alleinigen Konzentration auf das individuelle Mitarbeitergespräch. Denn wenn jede herausragende Leistung ein Team braucht, müssen wir auch den Zustand des Teams anschauen und fördern: Es gilt also nicht nur die einzelnen Finger einer Hand anzuschauen, sondern eben auch die Finger-Zwischenräume! Denn hier findet Teamkultur, und damit Teamleistung, statt! Die ältere und jüngere Wissenschaft ist dabei erstaunlich klar, was wertvolle Teamdynamiken fördert: Psychologische Sicherheit – oder Angstfreiheit, wie ich sie gerne im Deutschen nenne – ist zentral. Auch das Zugehörigkeitsgefühl. Und das Energielevel im Team. Sowie weitere weiche Faktoren wie Verlässlichkeit oder Empathie. Ich fasse sie unter dem Begriff Key Emotional Indicators (KEIs) zusammen.


Ich plädiere dafür sie regelmäßig, alle zwei bis vier Wochen, zu erheben, da sich diese Teamdynamiken täglich durch nur eine Person verändern können. Und sie als Team zu reflektieren und gemeinsam zu entwickeln. Denn nur so können wir das wichtigste Asset der Unternehmen für die Zukunft, die Teams, die in einer immer komplexeren Welt immer komplexere Lösungen entwickeln müssen, gezielt fördern und unterstützen!


Wie wäre es also, wenn das Neue Unternehmertum im Sinne der Ganzheitlichkeit das Schiff nicht nur mit KPIs steuert, sondern auch mit KEIs? Wenn wir endlich systemisch das vervollständigen, was schon immer da war: Und nicht nur die offensichtlichen Ergebnisse, sondern auch die unsichtbaren Teamdynamiken sichtbar machen, entwickeln und verbessern? Für mich wäre das Ying und Yang 2.0. Und damit absolut zeitgemäß.


Ich freue mich schon jetzt auf unseren Austausch, der hier beginnt. Und jederzeit online weitergehen kann: stefanie@killingopposites.com.

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Stefanie Kuhnhen verantwortet als geschäftsführende Partnerin das strategische Produkt von Grabarz & Partner, einer der führenden inhabergeführten, kreativen Markenagenturen Deutschlands und der Welt. Nicht nur ihre Arbeiten für Unternehmen wie IKEA, Volkswagen, EDEKA oder Burger King wurden mehrfach mit nationalen und internationalen Strategiepreisen ausgezeichnet, sondern auch sie selbst.

Stefanie Kuhnhen ist zweifache Mutter und hat im Frühjahr 2018 das Trendbuch „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze" publiziert. Seit 2019 ist sie Co-Founderin des Startups „Kokoro“. Eine App, die die zentralen Faktoren gesunder Unternehmenskulturen misst und Teams aktiv dabei unterstützt, ihren emotionalen Zustand zielgerichtet zu verbessern.

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