LIFESTYLE & HEALTH

5  Strategien gegen das

“Corona Burnout”

von Miriam Schneider

22. März 2021

Erst seit 2019 ist Burnout offiziell von der Weltgesundheitsorganisation als Syndrom definiert. Damit erkennt die WHO die negative Wirkung von chronischem Stress im Arbeitsleben auf unser Wohlbefinden an. Überforderungen, Einsamkeit, Zoom-Fatigue, Work-Life Balance mit Homeschooling und co. sind nur einige gesundheitsschädliche Aspekte, die gerade während der Pandemie für zusätzlichen Stress sorgen. Verarbeiten wir diesen chronischen Stress nicht erfolgreich, entsteht Burnout.

Die Faktenlage ist klar: Schon vor der Pandemie erfuhren zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten am Arbeitsplatz Ansätze von Burnout (Gallup, 2018) - die weltweit größte Führungsstudie, die GLS 2021, zeigt heute zudem, dass sogar 86% der jungen Führungskräfte Burnout gefährdet sind. Wie gehen wir also mit dieser Herausforderung angemessen um?

Prävention ist besser als Heilung

“Treatment without prevention is simply unsustainable” - Bill Gates

Wie wichtig Prävention ist, haben wir 2020 wohl alle gemerkt. Und die Einsicht setzt sich langsam aber sicher durch, dass Prävention langfristig der wichtigste Hebel für mentale Gesundheit in der Arbeitswelt ist. Denn um Burnout vorzubeugen, reicht ein „einfaches mehr Pausen machen“ nicht aus. Befinden Mitarbeitende sich unter chronischem Stress, sind vor allem Führungskräfte gefragt, frühzeitig Maßnahmen einzuleiten. Deshalb möchte ich euch fünf Präventivmaßnahmen und drei Akutmaßnahmen an die Hand geben, wie innerhalb des Unternehmens und des Teams Burnout vorgebeugt werden kann.

5  Präventivstrategien, um Burnout vorzubeugen

  1. Verstehe mentale Gesundheit im Ganzen - Stress und Burnout sind nicht die einzigen Belastungsproben für uns im Arbeitsumfeld. Um die mentale Gesundheit im Ganzen zu erhalten, müssen auch Symptome psychischer Krankheiten wie Depression verstanden und frühzeitig erkannt werden. Es gilt, einen verbindlichen Plan für die Förderung von mentaler Gesundheit am Arbeitsplatz zu schaffen - am besten ist die mentale Gesundheit als Ziel sogar in der  Unternehmensstrategie verankert. Und gerade Führungskräfte sollten ein verstärktes Bewusstsein für mentale Gesundheit im Arbeitskontext entwickeln.
     

  2. Arbeitsanforderungen-Arbeitsressourcen-Modell (AAM) - Das AAM ist ein hilfreicher Guide zum tieferen Verständnis von Burnout und seinen Gründen: Es besagt, dass Burnout eine Folge von zu hohen Arbeitsanforderungen und zu geringen Arbeitsressourcen ist. Ersteres führt zu Erschöpfung und zweiteres zu Motivationsverlust und verringertem Engagement. Als Führungskraft stellt ihr für Mitarbeitende eine direkte Ressource dar: mit transformationaler Führung, also motivierend, rücksichtsvoll, inspirierend und partnerschaftlich, habt ihr einen direkten Einfluss auf die positive Wahrnehmung von Arbeitsressourcen und die Einstellung der Mitarbeitenden. 
     

  3. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz erkennen - Natürlich kann nicht jede psychische Belastung am Arbeitsplatz vermieden werden. Darauf zu achten, ist aber trotzdem wichtig, besonders in der Rolle als Führungskraft. Auf organisationaler Ebene sind regelmäßige, am besten anonyme, Mitarbeiterbefragungen sinnvoll. Ebenso kann eine respektvolle Arbeitskultur helfen, dass im ganzen Unternehmen über mentale Gesundheit aufgeklärt und offen geredet wird. Löst das Tabu am Arbeitsplatz, über psychische Belastungen zu reden.
     

  4. Klare Richtlinien - Über 50% der Unternehmen haben keine Work-Life Balance Policy (McDowall, Kinman, 2017). Als Unternehmen ist es allerdings wichtig, klare Zeichen und Strukturen zu setzen, um Burnout-Gründe wie Mehrarbeit, zu wenig Pausen und Überforderungen zu vermeiden. Falls es solche Strukturen nicht gibt, startet den Dialog im Unternehmen und co-kreiert Richtlinien, die euch als Führungskraft in der Arbeit mit dem Team unterstützen.
     

  5. Coaching - Coaching kann Führungskräfte in zweierlei Hinsicht unterstützen. Einerseits dient es euch selbst als Mittel, Selbstbewusstsein zu stärken, persönliche Werte mit beruflichen Pflichten in Einklang zu bringen sowie Denkmuster und Glaubenssätze zu prüfen. Also Arbeitsressourcen aufzubauen. Andererseits kann Coaching Führungskräften dabei helfen, im Umgang mit den Mitarbeitenden selbst als Coach aufzutreten. Beim Coaching erfahrt ihr Techniken, die angewandt auch das Wohlbefinden und die Widerstandsfähigkeit der Mitarbeitenden stärken.
     

Das wichtigste bei diesen Strategien: Achtet auf die Herausforderungen im organisationalen Kontext. Die Wahrnehmung der Mitarbeitenden spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Die Organisation muss zwar geeignete Ressourcen zur Verfügung stellen, aber die individuelle Wahrnehmung kann dabei nicht außer Acht gelassen werden. Und dabei gilt, man kann nie zu viel für die mentale Gesundheit tun.

3 Maßnahmen bei akuter Burnout Gefahr

  1. Job-Crafting - Yoga, Meditation und Achtsamkeitsübungen sind bekannt. Leider funktionieren sie nicht immer für alle. Was bei ersten Burnout-Zeichen helfen kann, ist die Verbesserung von Kontrolle. Mangelnde Kontrolle ist eine Hauptgefahr für mentale Gesundheit. Wenn wir Mitarbeitenden Kontrolle durch bspw. das Prinzip des Job Craftings geben, verringern sich die Arbeitsanforderungen und Belastungen können nachlassen. Durch das Job Crafting - ein Bottom-Up Ansatz im AAM - können Mitarbeitende sowohl Ihre Aufgaben umgestalten, als auch an der eigenen Wahrnehmung ihrer Tätigkeiten arbeiten.
     

  2. Akut-Coaching - Ich habe Coaching zwar schon als präventive Maßnahme genannt, jedoch dient es auch als Akutmaßnahme und kann erstaunlich schnell Ergebnisse erzielen. Coaching kann Mitarbeitende dabei unterstützen, eigene Ressourcen zu erkennen und Wahrnehmungen zu hinterfragen und zu verändern, die zu einem verbesserten Wohlbefinden führen. Ebenso kann Coaching das oben genannte Job Crafting unterstützen, so dass Mitarbeitende mit konkreten Vorstellungen und Zielen in den Austausch mit ihren Führungskräften treten können.
     

  3. Expert:in aufsuchen - Burnout hat viele Stressoren. Wenn sich akute Burnout-Erscheinungen in Richtung Depression verändern, ist es unbedingt notwendig, sich professionelle, therapeutische Hilfe zu suchen. Als Führungskraft könnt ihr unterstützen, das Stigma über therapeutische Hilfe zu mindern. Geht mit euren Mitarbeitenden proaktiv in den Dialog und ermutigt sie, sich professionelle Hilfe zu suchen.
     

In Zeiten der Pandemie (und auch danach) ist es wichtig, dass wir eine menschliche Herangehensweise an die Arbeitswelt einschlagen. Damit unterstützen wir uns selbst und unsere Mitarbeitenden darin, langfristig mental gesund zu sein. Davon profitiert am Ende auch das Unternehmen und die Gesellschaft.

Über die Autorin: 

Miriam Schneider ist Coach und Senior Behavioral Scientist bei CoachHub, dem Marktführer von digitalem Coaching in Europa.

 

Mit mehreren Jahren Coachingerfahrung, unter anderem bei Google, koordiniert sie mittlerweile die Coaching-Strategie für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

 

Dabei unterstützt sie Unternehmen in der DACH Region dabei, digitales Coaching für die Entwicklung und Förderung ihrer Mitarbeitenden und Führungskräfte sowie für organisationale Transformationen zu nutzen.

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