BUSINESS

Warum es sich lohnt,

nach Frauen zu suchen

Foto: Markus Winkler, Unsplash

von Nora Weber

17. Februar 2021

Die STRIVE Redaktion wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das „deutsche startups“ Magazin eine Liste mit „22 Startups, von denen wir 2021 ganz große Dinge erwarten“ veröffentlichte, auf der kein einziges Startup mit einem Gründerinnen-Team (oder zumindest ein Team mit wenigstens einer weiblichen Gründerin) enthalten war. 

 

Das kann zum einen daran liegen, dass der Fokus dieser Liste auf den jeweils eingesammelten Investments der Startups lag und es in diesem Bereich noch großen Aufholbedarf in Deutschland gibt. Laut einer BCG-Studie haben Frauen hierzulande eine 25% geringere Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Suche nach Hauptinvestor:innen für ihr neues Unternehmen.


Zum anderen stecken wir fast alle leider noch in alten Denkmustern. So passiert es auch in der STRIVE Redaktion noch zu oft, dass z.B. von Gründern, Mitarbeitern und Kollegen gesprochen wird und nicht von Gründer:innen, Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen. Ein Muster, das wir nach und nach aufbrechen, da uns eine Gleichstellung der Geschlechter auch in der Sprache wichtig ist. Genau deswegen möchten wir alle, denen es genauso geht, dabei unterstützen.

 

Natürlich ist es viel leichter, nicht darauf zu achten, ob auch Gründerinnen bei den Startups vertreten sind und die News wirken viel verlockender, wenn es um eine große Finanzierung geht, aber der gezielte Blick auf diverse Gründungsteams lohnt sich. Nicht nur, weil diverse Teams besser arbeiten, sondern auch, weil wir sonst spannende Startups übersehen, nur weil sie vielleicht kleinere Finanzierungen eingesammelt haben oder nicht so laut kommunizieren – trotz innovativer Schlagkraft und zukunftsweisenden Ideen. 

Daher haben wir uns auf die Suche nach elf „Startups to watch“ gemacht, die von Frauen (mit)gegründet wurden – damit unter den 22 Startups, von denen wir in 2021 große Dinge erwarten, in Zukunft hoffentlich zur Hälfte auch spannende Startups von Gründerinnen sein können.

 

Disclaimer: Auch diese Liste ist natürlich nicht vollumfänglich und kann um ein Vielfaches an weiteren tollen, von Frauen gegründeten Unternehmen ergänzt werden. Wenn Ihr Startups mit uns teilen möchtet, von denen Ihr findet, dass wir über sie berichten sollen, schreibt gerne an online-redaktion@strive-magazine.de.

Nina Julie Lepique und Michael Holzner gründeten Femtasy. Foto: Femtasy

Femtasy
Nicht erst seit Cloubhouse ist klar, dass Audio das neue „kleine Schwarze“ der Content-Formate ist. Das Gründer:innen-Duo Nina Julie Lepique und ihr Partner Michael Holzner gründeten 2018 femtasy, eine Streaming-Plattform für erotische Hörgeschichten für Frauen. Ein Jahr nach dem Kickoff konnte femtasy bereits tausende Nutzerinnen vorweisen und beweist somit, dass erotische Audio-Fantasien für Frauen durchaus marktfähig sind und enormes Wachstumspotenzial mitbringen.

Tandemploy
In einer Zeit, in der sehr viel über Home Office, New Work und das New Normal geredet wird, bedarf es konkreter Anleitungen, neuartige und flexible Arbeitsmodelle umsetzbar zu machen. Tandemploy, das Unternehmen von Jana Tepe und Anna Kaiser, ist zwar bereits 2013 gegründet worden, durch Digitalisierungs-Katalysatoren wie Corona aber aktueller denn je. Mit ihrer cloudbasierten Software werden Fähigkeiten und Aufgaben von Teams verknüpft und somit automatisch flexibilisiert. 

The Female Company
Gestartet sind Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier von The Female Company 2018 mit einem Abo-Modell für Bio-Periodenprodukte. Doch mit dem Verbrauch von chemikalien- und pestizidfreien Binden und Tampons tun sich die Konsumentinnen nicht nur selbst etwas Gutes: Durch jedes Abo wird eine weitere Frau in Indien versorgt. Das Konzept kam so gut an, dass die Produktpalette schnell gewachsen ist. Inzwischen umfasst das Produktportfolio diverse Periodenprodukte – von Tampons, Slipeneinlagen und Binden, über Menstruationstassen bis hin zu After-Birth-Packages für das Wochenbett – und wurde von mehreren Drogerien ins Sortiment aufgenommen. 

Planetly
Nachhaltigkeit ist spätestens seit Fridays For Future in den Köpfen der Führungs- und Vorstandsetagen angelangt. 60% der Investoren sagen sogar, dass sie sich von Unternehmen mit Nachhaltigkeitsstrategie trennen würden. Mit planetly wollen Anna Alex und Benedikt Franke beweisen, dass die eigene CO2-Reduktion kein Hexenwerk ist und helfen Unternehmen bei dem Prozess, klimaneutral zu werden. 

Gitti
Jenni Baum-Minkus hat sich nicht weniger als die Revolutionierung der Beauty-Industrie vorgenommen, als sie 2018 gitti gründete. Auch in der Kosmetik-Branche wird der Wunsch nach Nachhaltigkeit und unschädlichen Inhaltsstoffen immer größer – genau deshalb sollte man die wasserbasierten und veganen Nagelfarben von gitti spätestens ab sofort auf dem Schirm haben.

Penta 
“Business Banking für die digitale Zukunft” – unter diesem Motto gründete Jessica Holzbach mit fünf Freunden zusammen Penta, eine Geschäftsbank, die sich an Unternehmer:innen richtet. Gewachsen ist die Idee aus eigenen schlechten Erfahrungen – denn den Großteil der bestehenden Banken mit Geschäftskundenbetreuung nahmen sie als langsam, ineffizient und innovationslos war. Das Modell der Kundenorientierung bewährte sich für Penta: Über 25.000 Unternehmen haben sich bereits für ein Penta-Geschäftskonto entschieden.  

Jenni Baum-Minkus, Foto: gitti

Swedish Fall
90% aller Kleidungsstücke aus der Fashion Welt werden aktuell nicht wiederverwertet, sondern verbrannt oder auf Mülldeponien abgeladen. Dieses Problem wollen die Schwestern Silja und Lara Stallbaum mit ihrer Activewear-Marke Swedish Fall angehen. Das Konzept: Neben den regulären Produkten lässt sich online die Box bestellen, mit der man vergünstigte Produkte erwerben kann. Im Gegenzug schickt man für jedes gekaufte Teil ein aussortiertes Kleidungsstück zurück. Es ist simpel, clever und sieht darüber hinaus auch richtig gut aus. Wir wünschen viel Erfolg!

Selfapy
„Mental Health“ ist ein Begriff, der vor allem durch die Corona-Krise eine ganz neue Relevanz bekommen hat. Doch wer einen Therapieplatz sucht, muss in der Regel einen langen Atem mitbringen. Nora Blum, Farina Schurzfeld und Kati Bermbach kam 2016 daher die Idee zu Selfapy, einer Online-Therapie mit schnellem und flexiblen Zugang. Das langfristige Ziel der Gründerinnen ist es, die Psychotherapie zu digitalisieren den Zugang zu Therapie für alle möglich zu machen. Kurzfristig helfen die Kurse zumindest dabei, die Versorgungslücke zu schließen und Wartenden akut Hilfe zu bieten. Mehr als 35.000 Menschen haben die Online-Kurse bereits absolviert.


Future Stories
Im Juli 2020 gründeten Martina Ponath, Carsten Wille und Mark Lübcke on remote Future Stories und nahmen sich zur Aufgabe, weniger Plastikmüll mit Kosmetikprodukten zu verursachen. Die Handseifen und Duschgels werden online vertrieben, in kleinen Pulverform geliefert und können Zuhause mit Leitungswasser angeschüttelt werden. Die Produkte sind also nicht nur zeitgemäß, sondern sehen auch noch gut aus. 

ooia-Gründerinnen Kristine Zeller und Dr. Kati Ernst (vlnr),

Foto: ooia 

Ooia 
Als Mentorinnen und Führungskräfte in Großunternehmen begleiteten und unterstützten Kristine Zeller und Dr. Kati Ernst bereits vor ihrer Gründerinnen-Laufbahn die Werdegänge vieler Frauen. Aus ihrem Wunsch, noch mehr positiven gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen, entstand die Idee zu ooia (früher: ooshi). Damals war Periodenunterwäsche in Deutschland nämlich kaum bekannt. Aus der Idee skalierten sie ein erfolgreiches Unternehmen mit über 200.000 verkauften Produkten. 

Makerist
Die Pandemie stellte uns bereits vor viele Herausforderungen – durch die Kontaktbeschränkungen und Lockdowns war eine davon sicherlich, sich neue Indoor-Beschäftigungen zu suchen. Handarbeits- und Bastelprojekte sind daher aktuell beliebter denn je, was wiederum für einen Aufschwung von DIY-Plattformen wie Makerist bedeutet.  Gestartet in 2013 von Amber Riedl und Axel Heinz, ist Makerist inzwischen europäischer Marktführer für digitale Anleitungen und E-Learning Produkte im Handarbeitsbereich.

 

 

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